ALEKSANDER MILADINOVIC "In der Kneipe habe ich laufen und sprechen gelernt"
Shownotes
Aleksander – oder einfach Aleks – Miladinovic hat mit Mitte 30 ein wirklich bewegtes Leben hinter sich, das nicht immer einfach war. Er ist Sohn eines Serben und einer Kroatin und hat seine Kindheit in den 90er Jahren verbracht, als beide Völker sich nicht besonders grün waren - um es milde auszudrücken. Auch in der Diaspora war der Konflikt, der in Ex-Jugoslawien tobte, spürbar, allerdings nicht für den jungen Aleks, der als Kind gar nicht verstand, was in der Heimat seiner Eltern los war. Vater und Mutter betrieben zusammen die alte deutsche Kneipe „Zum Eggetal“ in Bielefeld. Der kleine Aleks wuchs zwischen den Thekenstühlen auf und das Kneipenleben war für ihn der ganz normale Alltag. Stammkunden wie „Asbach-Dieter“ gehörten genauso dazu, wie kroatische Zockerrunden, Zigaretten-Qualm und Schnitzel mit Kartoffelsalat. Als die Eltern sich trennten, lebte Aleks zunächst bei der Mutter, ehe die mit einem neuen Freund nach Kroatien türmte. Zurück beim Vater, wurde er als 17-Jähriger zum Pfleger, da sein alter Herr gesundheitliche Probleme bekam. Eigentlich wollte er sich auf Schule und Ausbildung fokussieren, doch die Situation zuhause wurde zur Überforderung. Schon mit Mitte 20 musste er seinen Vater beerdigen. Das Kind der Gastro, blieb in der Gastro, als „Küchenbulle“, „Theken-Cowboy“ und „Party-Tiger“. Fast hätte ihn das Nachleben verschlungen, doch er zog rechtzeitig die Reisleine und darf sich heute, nach einigen Umwegen, „Bachelor of Law“ nennen. Er arbeitet im Jobcenter in Gelsenkirchen, der Stadt mit den meisten Bürgergeld-Empfängern Deutschlands. Jeder fünfte lebt hier von Sozialhilfe, doch trotzdem hat Aleks nicht den Eindruck, dass er es mit vielen sogenannten „Totalverweigerern“ zu tun hat.
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